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Mit Solidarität durch die Krise – Stiftung Liebenau legt Jahresbericht 2020 vor

MECKENBEUREN-LIEBENAU – Solidarisch, engagiert und verantwortungsbewusst haben die Menschen in der Stiftung Liebenau das „Corona-Jahr 2020“ bewältigt. Der aktuelle Jahresbericht lässt erkennen, wie stark die Pandemie das Leben an allen europäischen Standorten der Stiftung geprägt hat und bis heute prägt. Fachlich hat es dennoch keinen Stillstand gegeben. Vor allem die Digitalisierung hat einen kräftigen Schub bekommen.

Nähe und Unbeschwertheit: Im Corona-Jahr 2020 war das ein sehnlicher Wunsch vieler Menschen in der Stiftung Liebenau.

Trauer und Anteilnahme

„Ein Jahr im Ausnahmezustand“ sei 2020 gewesen, erinnert sich Vorstand Prälat Michael H. F. Brock. Voller Vorfreude war die Stiftung Liebenau in ein Jubiläumsjahr zum 150-jährigen Bestehen gestartet, als die Pandemie alles zum Stillstand brachte. Zunächst an den italienischen Standorten, kurz darauf auch an denen in Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden Infektionen bekannt, erkrankten Mitarbeitende und betreute Menschen, trauerte man um Verstorbene. Bis heute (Stand: 15. Juli 2021) haben sich in den Einrichtungen der Stiftung Liebenau und ihrer Tochtergesellschaften 1213 Menschen infiziert, 113 betreute Menschen sind verstorben.

 

Solidarität in der Krise

Umso bemerkenswerter sei das hohe Maß an Solidarität, Gemeinschaftsgefühl und Verantwortung, die das Leben in besonderer Weise bestimmt hätten. „Den größten Verdienst daran haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die – ob in Pflege, Teilhabe, Schule oder Therapie, im Management, Catering oder in der IT – gemeinsam Wege gefunden haben, mit der Krise nicht nur zurechtzukommen, sondern mit großer Flexibilität und Einsatzbereitschaft das Beste aus den Gegebenheiten zu machen“, so Brock. Führungskräfte hätten sich über Ländergrenzen hinweg gegenseitig unterstützt, die Partner im Sozialbereich hätten nicht ihre Besitzstände gewahrt, sondern Lösungen geteilt. „Dafür sind wir sehr, sehr dankbar!“

 

Entwicklungen

Trotz der Corona-bedingten Herausforderungen, gab es 2020 keinen fachlichen Stillstand. Neben konkreten Hilfsangeboten wurden digitale Angebote zur Beratung, Vermittlung und Orientierung weiterentwickelt, zum Beispiel die Online-Plattform „mitpflegeleben.de“. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem internen Ausbau der digitalen Infrastruktur. Die Stiftungsstandorte bekamen zusätzliche Hardware und neue Programme zur Kommunikation und Kooperation sowie für administrative Aufgaben. Außerdem wurde eine App entwickelt und erprobt, die Mitarbeitenden einen digitalen Zugang zur internen Kommunikation über mobile Endgeräte ermöglichen soll.

 

Zahlreiche Bauvorhaben wurden planmäßig vorangetrieben, denn: „Soziale Arbeit braucht moderne, zweckmäßige und bedarfsgerechte Räume“, sagt Vorstand Dr. Markus Nachbaur. Fast 52 Millionen Euro hat die Stiftung Liebenau 2020 investiert, vor allem in verschiedene Zweckgebäude und zur Schaffung von Wohnraum, für betreute Menschen ebenso wie für Mitarbeitende. „Mitarbeiterwohnungen gibt es zwar schon lange an unseren großen Standorten“, so Dr. Nachbaur. Geändert habe sich die Strategie: „Künftig wollen wir im Rahmen größerer Entwicklungsprojekte und in Kooperation mit Kommunen, Unternehmen aus der Wohnungswirtschaft und weiteren Partnern, lebendige inklusive Quartiere schaffen.“ Zurzeit ist das zu beobachten in Meckenbeuren-Hegenberg, am Standort Rosenharz und in Amtzell.

 

Strategie neu gefasst

Ein weiterer Meilenstein wurde 2020 mit dem Abschluss eines Strategieprozesses erreicht. Die Herausforderung lag darin, der Vielfalt der Stiftung gerecht zu werden und gleichzeitig Verbindlichkeit und Rahmung für die Strategien der einzelnen Geschäftsbereiche zu bieten“, erläutert Vorstand Dr. Berthold Broll. Ein Ergebnis dieses Prozesses sind die „Liebenauer Leitlinien”. „Basierend auf unseren drei Kernwerten Menschlichkeit, Fachlichkeit und Wirtschaftlichkeit, beziehen sie sich auf unsere Angebotsentwicklung, unsere Mitarbeitenden sowie Haltung, Organisation und Wirtschaften in der Stiftung Liebenau.“ Verstärkt im Fokus ist dabei auch die Ökologie. „Sie gewinnt immer mehr Bedeutung und durchzieht als Grundhaltung alle Unternehmensbereiche, vom Bau über den Fuhrpark bis zum Materialverbrauch“, so Dr. Broll.

 

Einigung über Vergütungen

Ein weiterer Prozess, der 2020 zum Abschluss gekommen ist, ist die Diskussion um Vergütungen in der Altenhilfe-Tochter Liebenau Leben im Alter. Mit der Übernahme der kirchlichen Grundordnung und des kirchlichen Arbeitsrechts sind die Mitarbeitenden nun gleichgestellt mit denen der Schwestergesellschaft Liebenau Lebenswert Alter. Eine Entscheidung, die nach langen Diskussionen von allen Beteiligten getragen wird. Allerdings bringt sie auch finanzielle Mehrbelastungen mit sich. Das Ziel sei jetzt, so der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Joachim Senn, die Zukunftsfähigkeit der deutschen Pflegeunternehmen der Stiftung Liebenau zu sichern. Sie tragen einen wesentlichen Anteil an der Gesamtleistung der Stiftung Liebenau. Die finanzielle Mehrbelastung erhöht damit den wirtschaftlichen Druck auf den gesamten Stiftungsverbunds. „Mit dem nun eingeschlagenen, klaren Weg werden wir dem nachvollziehbaren Verlangen nach Gleichstellung gerecht. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass diesem Weg eine strategische Neujustierung folgt, die auch Strukturanpassungen mit sich bringen wird“, so Dr. Senn.

 

Neue Belastungen und Prioritäten

Die Corona-bedingten Herausforderungen erhöhen den aktuellen wirtschaftlichen Druck. Erheblichen Ausgaben für Schutzmaterial und den Ausbau der IT-Ausstattung in allen Einrichtungen stehen Mindererlöse durch Belegungsstopps und Auftragsrückgänge gegenüber. Ein Beispiel: Allein in den deutschen Häusern der Pflege waren zeitweise rund 15 Prozent der Pflegeplätze nicht belegt. Unter Berücksichtigung aller staatlichen Hilfen ist bis Ende 2020 ein Mehrbedarf von rund vier Millionen Euro entstanden. Für 2021 zeichnet sich bereits jetzt eine Fortsetzung der Kostenbelastung ab. Was bedeutet das für die Zukunft? „Aufgrund der wirtschaftlichen und fachlichen Perspektiven werden wir unsere Prioritäten weiterentwickeln und neu setzen müssen, neue finanzielle Lösungen für zuschussbedürftige Vorhaben finden und auch die Organisation neu strukturieren“, heißt es im Jahresbericht. Gleichzeitig versichert der Vorstand: Ihren Werten bleibt die Stiftung Liebenau treu. Auch künftig wird sie für Menschen da sein, die Unterstützung benötigen.

 

Mehr im aktuellen Jahresbericht.

 

Die Kennzahlen 2020 im Überblick.

 

 

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