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Mehr Zeit für Menschen

MECKENBEUREN-LIEBENAU – Die Digitalisierung ist auch in der Pflege angekommen. Ein Ziel ist es, die Pflegenden dabei unterstützen, das zu tun, was wirklich wichtig ist: Zuwendung und Unterstützung geben, wenn sie gebraucht wird. Pflegerinnen und Pfleger sollen Zeit haben für die Bewohnerinnen und Bewohner und Gemeinschaft schaffen. Viel Arbeitszeit müssen die Pflegekräfte leider immer noch dafür aufwenden etwa der gesetzlich vorgeschriebenen Dokumentationspflicht nachzukommen und sind oft zerrissen zwischen dem Anspruch an ihre Arbeit und der Wirklichkeit. Ein Gespräch mit Christina Nägele.

Der Einsatz von Technik soll Stress- und Belastungssituationen von Pflege- und Betreuungskräften reduzieren. Auch beim “Pepper“ ist das Ziel, wieder mehr Zeit für die Menschen zu haben.

Frau Nägele, Sie beschäftigen sich intensiv mit Pflege und Digitalisierung. Treffen da nicht Welten aufeinander, die so gar nicht zusammenpassen?

 

Nein, im Gegenteil! Ich darf diese spannende und zukunftsweisende Aufgabe hier voranbringen. Für die Einrichtungen der Stiftung Liebenau haben wir vor einiger Zeit entschieden, im Haus der Pflege St. Konrad in Kressbronn innovative digitale Wege zu finden. Im Rahmen eines Pilotprojektes wollen wir Stress- und Belastungssituationen von Pflege- und Betreuungskräften so reduzieren, dass sie wieder mehr Zeit für die Menschen haben. Das setzen wir mithilfe digital vernetzter und technischer Assistenzsysteme um. Es treffen also keine Welten aufeinander, sondern wir schaffen durch digitale Assistenzsysteme neue, die das Zeitbudget unserer Mitarbeitenden deutlich hin zu mehr persönlicher Zuwendung öffnen. Daran mitzuarbeiten, wie sich das Stück für Stück entwickelt, begeistert mich.

 

Wie dürfen wir uns Ihre Arbeit konkret vorstellen?  

 

An Universitäten und in Unternehmen werden immer bessere Assistenzsysteme für ältere Menschen entwickelt, die ihnen Sicherheit im Alltag geben und ihre Selbstständigkeit so lange wie möglich unterstützen sollen. Gerade für Menschen, die bereits auf mehr Unterstützung angewiesen oder bettlägerig sind, gibt es immer mehr digitale und technische Assistenzen. Wir haben uns aber entschieden, nicht blind auf die Angebote zu vertrauen. Wir wollen selbst herausfinden, wie viel Technik wir wirklich brauchen. Wie sehr entlastet sie unsere Pflegekräfte von zeitaufwändigen Routineaufgaben und wie viel mehr Raum für zwischenmenschliche Kontakte ermöglicht sie? Gleichzeitig gehen wir der Frage nach, wie viel Technik überhaupt guttut und wo ihre Grenzen sind. Wir testen außerdem, welche Weiterbildungsmaßnahmen notwendig sind, damit das Pflegepersonal damit umgehen kann.

 

So testen wir etwa ein digitales Pflegebett, das die verpflichtende und bisher sehr zeitaufwendige Erfassung und Dokumentation der Vitalwerte unserer Bewohnerinnen und Bewohner automatisch erledigt, Telemedizin und GPS-gestützte Ortungssysteme. Die Erprobung von digitalen Lösungen in der Praxis ist ein guter Weg, um die Zukunft so zu planen, dass alle Beteiligten davon profitieren. Wir sind sehr zuversichtlich nach Abschluss der Pilotphase gute Lösungen gefunden haben, die wir dann Stück für Stück in allen unseren Häusern integrieren und so für alle Beteiligten zeitgemäße digitale Assistenzsysteme einsetzen zu können, die einen Gewinn darstellen.

 

Wann kann man mit belastbaren Ergebnissen rechnen?

 

Im August 2023 endet die Pilotphase. Danach werden wir mit unserem Kooperationspartner, dem Unternehmen inHaus, das über viel Erfahrung mit Assistenzsystemen verfügt in die Evaluationsphase gehen. Darauf bin ich schon sehr gespannt und freue mich auf die Ergebnisse, die definitiv einen Schub geben werden. All das ist übrigens nur möglich, weil uns die Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege in allen Phasen finanziell zur Seite steht.

 

Die Fragen an Christina Nägele stellte Heike Schiller.

 

 

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